Marcel TobienSchriftsteller

Marcel Tobien

Trockener Humor in einem düsteren Thriller

FARBEN: Das Erwachen

FARBEN: Das Erwachen

Menschen hören nicht auf, komisch zu sein, nur weil ihr Leben schwierig wird. Sie können sich erschrecken und kurz darauf über eine völlig unpassende Kleinigkeit lachen. Ein Thriller darf das zeigen. In FARBEN gehören Familie und Alltag ebenso zur Geschichte wie Heilung, Macht und eine tödliche künstliche Intelligenz. Humor kann zwischen diesen Bereichen eine Verbindung schaffen, wenn er aus den Figuren entsteht und die Situation ernst nimmt.

Ein Witz ist nicht automatisch Entlastung

Nach einer angespannten Szene tut ein leichterer Moment manchmal gut. Daraus folgt aber nicht, dass nach jeder Gefahr eine Pointe stehen muss. Wenn der Text zuverlässig scherzt, sobald etwas wehtut, lernen Leser, die Bedrohung nicht mehr ganz ernst zu nehmen. Humor sollte deshalb keine automatische Taste sein, mit der jede unangenehme Wirkung sofort ausgeschaltet wird.

Ein passender komischer Moment kann die Lage sogar deutlicher machen. Jemand versucht, ruhig zu wirken, und beschäftigt sich mit einem lächerlich kleinen Problem. Ein anderer antwortet so sachlich, dass der Unterschied zur Situation auffällt. Das Lachen entsteht dann aus dem Verhalten der Menschen. Es streicht die Gefahr nicht durch. Man merkt vielmehr, wie sie versuchen, mit ihr umzugehen.

Alltag besitzt seine eigene Komik

Ralf führt einen Spielzeugladen. Das ist eine Umgebung, in der Dinge nicht immer tun, was sie sollen. Schon ein Gegenstand mit einer kleinen Macke kann Geduld verlangen. Solche alltäglichen Schwierigkeiten haben einen anderen Massstab als die späteren Gefahren des Romans. Gerade der Unterschied kann reizvoll sein. Ein Mensch, der Aussergewöhnliches erlebt, bleibt nicht von gewöhnlichen Ärgernissen verschont.

Diese Nähe zum Alltag hilft auch bei der Figur. Ein Vater darf schlagfertig, müde oder ein wenig stur sein. Er muss nicht ununterbrochen so sprechen, als wüsste er, dass gerade ein bedeutender Roman über ihn geschrieben wird. Kleine Unvollkommenheiten machen ihn greifbar. Wer über eine Bemerkung lacht, kann sich später um denselben Menschen sorgen, ohne dass dafür eine neue Figur erklärt werden muss.

Die Reaktion entscheidet über den Ton

Eine Pointe allein sagt wenig darüber aus, wie freundlich oder scharf ein Gespräch ist. Entscheidend ist, was zwischen den Menschen passiert. Jemand kann einen Scherz zurückgeben, ihn missverstehen oder deutlich machen, dass jetzt nicht der richtige Moment ist. Eine solche Antwort verhindert, dass Humor zu einer Reihe eingesetzter Sprüche wird. Sie hält die Figuren in ihrer Beziehung.

Dazu gehört auch, dass nicht jeder gleich witzig sein muss. Manche Menschen werden unter Druck besonders trocken. Andere verlieren jedes Interesse an Scherzen. Wieder andere lachen zuerst und begreifen erst danach, dass der Satz ernst gemeint war. Unterschiedliche Reaktionen machen einen Dialog lebendig. Wenn alle dieselbe Art von Schlagfertigkeit besitzen, hört man bald eher den Autor als die einzelnen Personen.

Ein hilfreicher Unterschied liegt zwischen dem Lachen über eine Figur und dem Lachen mit ihr. Wer Ralfs Mühe erkennt, kann über eine missglückte Beherrschung lächeln und ihm gleichzeitig Erfolg wünschen. Diese Nähe ist wertvoll. Sie macht aus einer aussergewöhnlichen Fähigkeit noch keinen makellosen Helden. Hinter der Gabe bleibt ein Mensch, der sich manchmal anders anhört, als er es eigentlich beabsichtigt hatte.

Humor darf Nähe schaffen

In Familien und Freundschaften kann ein kleiner Satz eine lange gemeinsame Geschichte andeuten. Die Figuren müssen nicht jedes Mal erklären, weshalb sie einander verstehen. Ein vertrauter Ton, eine liebevolle Korrektur oder ein Blick können genügen. Diese Wärme ist für einen Thriller wertvoll. Sie zeigt, dass die Menschen mehr miteinander verbindet als die unmittelbare Gefahr.

FARBEN bleibt dabei ein Roman für Erwachsene mit düsteren und gewaltsamen Elementen. Humor ist Teil seines Tons, kein Versprechen einer unbeschwerten Geschichte. Wer wissen möchte, wie diese Mischung wirkt, sollte mit der aktuellen Leseprobe beginnen. Dort lässt sich besser als durch eine Werbeformel erkennen, ob man Ralfs Stimme und seinem Alltag folgen möchte. Erst wenn ein Mensch vertraut geworden ist, trifft seine Gefährdung richtig.

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FARBEN geht weiter. GAME OVER erscheint im Herbst 2027. Im Blog erzähle ich mehr über die Bücher, ihre Figuren und das Schreiben.