Marcel TobienSchriftsteller

Marcel Tobien

Wendheim: Ein Dorf, in dem Fragen zaubern

Das Dorf der letzten Fragen

Das Dorf der letzten Fragen

In Wendheim sollte man eine Frage nicht nebenbei stellen. Es könnte sein, dass danach etwas singt, wegläuft oder eine ganz andere Form hat. Für Leni gehört diese Möglichkeit zu ihrem Dorf. Für Leser beginnt damit ein Abenteuer, das keine lange Anreise braucht. Die Magie steht mitten im vertrauten Leben. Das macht Das Dorf der letzten Fragen zu einer Geschichte, in der Kinder nicht erst jemand anderes werden müssen, bevor sie etwas Aussergewöhnliches erleben dürfen.

Ein Hammer hat eigentlich andere Aufgaben

Man weiss ziemlich genau, was ein Hammer normalerweise tut. Er liegt auf einer Werkbank, verschwindet gelegentlich unter anderen Werkzeugen und wird gebraucht, wenn etwas befestigt werden soll. Sobald er singt, ist die Veränderung deshalb sofort verständlich. Niemand muss zuvor eine komplizierte Weltordnung lernen. Ein gewöhnlicher Gegenstand verhält sich ungewöhnlich, und alle im Raum müssen damit umgehen.

Das ist ein guter Ausgangspunkt für kindliche Neugier. Was würde man selbst tun? Zuhören? Lachen? Den Hammer vorsichtig anfassen? Zuerst nach Papa schauen? Verschiedene Antworten können nebeneinanderstehen, ohne dass eine davon als die einzig richtige erklärt werden muss. Die Magie wird durch die Reaktionen der Menschen lebendig. Ihr Reiz liegt nicht nur darin, dass etwas möglich ist, sondern darin, was daraus entsteht.

Die Frage öffnet eine Handlung

Eine gute magische Idee bewegt etwas. Wenn Kartoffeln davonrennen, bleibt es nicht bei einer erstaunlichen Feststellung über Gemüse. Jemand muss bemerken, dass das Essen andere Pläne hat. Eine Strasse, die sich ungewöhnlich verhält, verändert den Weg durch das Dorf. Der Einfall wird zum Erlebnis, weil Figuren darauf reagieren und ihre Absichten anpassen müssen. So bleibt die Geschichte in Bewegung.

Gerade für Kinder ab acht Jahren ist diese Verbindung hilfreich: Man sieht, was passiert, und versteht die nächste Schwierigkeit. Das bedeutet nicht, dass jedes Geheimnis sofort gelöst werden soll. Rätsel dürfen offenbleiben. Doch die konkrete Szene muss greifbar sein. Wer gerade wohin möchte und weshalb etwas nicht klappt, sollte keine zusätzliche Denksportaufgabe sein. Staunen und Verstehen können sehr gut zusammengehen.

Drei Freunde sehen mehr als einer

Leni erlebt Wendheim gemeinsam mit Mia und Elias. Die drei bringen unterschiedliche Arten mit, auf die Welt zu reagieren. Mia hält Beobachtungen fest. Elias kann seine Freude kaum für sich behalten. Leni will einem Hinweis nachgehen. Gerade diese Unterschiede machen ihre Freundschaft interessant. Sie müssen nicht bei jedem Schritt dasselbe wollen, um füreinander wichtig zu sein.

Als die Kinder unter dem Dorf eine Halle voller verlorener Dinge entdecken, bekommt die Neugier eine neue Richtung. Auf einer Tafel steht ein Datum, das Leni kennt: Papas Geburtstag. Daneben stehen die Worte «Letzter Platz». Mehr braucht es an dieser Stelle nicht, um eine Frage entstehen zu lassen. Die Antwort gehört in den Roman. Der Leser weiss aber bereits, weshalb Leni nicht einfach wieder nach Hause gehen und alles vergessen möchte.

Eine Frage kann auch gemeinsam entstehen. Ein Kind bemerkt etwas Seltsames, das zweite widerspricht, und das dritte schaut noch einmal genauer hin. Schon ist aus einer kleinen Beobachtung eine Unternehmung geworden. Gerade darin steckt ein besonderer Reiz von Wendheim: Neugier bleibt nicht im Kopf. Sie bringt die Kinder in Bewegung und führt sie an Orte, die Erwachsene längst zu kennen glauben.

Neugier ohne Schulstunde

Das Dorf der letzten Fragen erzählt von Kindern, die fragen, beobachten und miteinander etwas herausfinden. Daraus kann ein schöner Gedanke wachsen: Man muss nicht schon alles wissen, um etwas beizutragen. Der Roman muss diesen Gedanken nicht nach jeder Szene wiederholen. Er kann ihn zeigen, indem eine Frage weiterhilft, ein Fehler berichtigt wird oder jemand einem Freund zuhört.

Vor allem soll der Besuch in Wendheim Freude machen. Es gibt Magie, Abenteuer und Situationen, über die Kinder lachen können. Der Kinderroman ist ab acht Jahren gedacht und eignet sich auch zum gemeinsamen Vorlesen. Wer wissen möchte, ob der Ton passt, findet auf der Buchseite eine aktuelle Leseprobe. Dort beginnt die Reise mit einer einfachen Vorsichtsmassnahme: In Wendheim muss man aufpassen, was man fragt.

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